Die Wenker-Fragebogen

Erläuterungen

Die historischen Wenkerbogen, die die Datengrundlage für Georg Wenkers "Sprachatlas des Deutschen Reichs" bilden, sind noch stärker vom Verfall bedroht als der Atlas selbst. Trotz sorgfältiger Lagerung im Archiv des Forschungsinstitut für deutsche Sprache "Deutscher Sprachatlas" sind die Erhebungsbogen einem ständigen Schadprozess ausgesetzt, der durch die Qualität des säurehaltigen Papiers und der Tinte auf Eisenverbindungsbasis sowie durch die häufige Benutzung bedingt ist. Der Zustand der Bogen wird vor allem an den meist stark beschädigten Seitenrändern deutlich.

In einem aufwändigen Prozess wurden die Formulare mit einer optischen Auflösung von 400 dpi digitalisiert. Die Farbeinstellungen (Kontrast, Schwarzpunkt etc.) wurden nicht wie bei den Wenker-Karten mit dem Ziel der größten Originaltreue, sondern der besten Lesbarkeit der teilweise kaum noch entzifferbaren Handschrift optimiert. Zur besseren Nachvollziehbarkeit dieser Einstellungen wurden in regelmäßigen Abständen standardisierte Bildvorlagen (Kodak Q-60 Color Targets) in den Digitalisierungsprozess integriert. Die Digitalisate wurden mit einer Gesamtdatenmenge von über 5 TB im TIFF-Format gespeichert, anschließend ECW-komprimiert und auf dem DiWA-Server publiziert. Dies hat erhebliche Vorteile gegenüber der Benutzung der Originalbelege: Das Auffinden der Bogen wird erleichtert, der Text kann stufenlos vergrößert werden und Helligkeit sowie Kontrast der Ansicht können der jeweiligen Belegqualiät angepasst werden.

Die Bogen können entweder durch Mausklick auf einen Wenkerort in der Karte oder über eine Katalogseite gesucht und eingesehen werden. Bereits während der Digitalisierung wurden zu jedem Bogenexemplar Metadaten wie z.B. die aufgestempelte Bogennummer, der Schulort, der Geburtsort des Lehrers, Details zum Informantenstatus etc. zur Identifikation und Verwaltung der Digitalisate in der DiWA-Datenbank erfasst. Offensichtlich falsche Angaben (cf. #36354 Mösbach: Name des Schul- statt Regierungsbezirks) wurden dabei nach Möglichkeit korrigiert, fehlende ergänzt. Für Bogen ohne Bogennummer wurden dabei sechsstellige virtuelle Nummern vergeben. Anschließend wurden diese Datensätze georeferenziert, also mit den korrespondierenden Belegortspunkten in der Wenker-Grundkarte verknüpft. So kann nun zu jedem Wenkerort per Mausklick der entsprechende Wenkerbogen online eingesehen und daher der Digitale Wenker-Atlas als geographisches Dokumentenmanagementsystem für ca. 120.000 Textseiten bezeichnet werden.

Bei der Georeferenzierung wurde Wert auf die Zuordnung eines Bogens zum entsprechenden Ortspunktsymbol in der Wenker-Grundkarte gelegt, um die räumliche Auflösung des Belegortsnetzes nicht zu mindern. Da aufgrund vielfältiger Gebietsreformen etliche Schulorte heute nicht mehr als eigenständige Ortschaften unter dem gleichen Namen wie zum Erhebungszeitpunkt existieren, wurde bei Abweichungen wie folgt verfahren:

1. Der Schulort existiert heute unter dem gleichen Namen als DiWA-Ortspunkt (in Großschreibung):

Der Bogen wird direkt zugeordnet.

2. Der Schulort ist in der Wenkerkarte als Belegort ausgewiesen, ein entsprechender DiWA-Ortspunkt existiert nicht in der Datenbank.

Bei

  • Eingemeindungen und bei Stadtteilen größerer Städte (z.B. Trier, Bonn),
  • Zusammenlegungen (z.B. Nanzdietzschweiler aus Nanzdiezweiler + Nanzweiler + Dietschweiler, Clausthal-Zellerfeld aus Clausthal + Zellerfeld) und
  • Tilgungen:

Der fehlende DiWA-Ortspunkt wird am Wenker-Belegortspunkt in Groß-/Kleinschreibung hinzugefügt und der historische Ortsname in Groß-/Kleinschreibung erfasst. Der Bogen wird dem ergänzten Ortspunkt zugeordnet.

Bei

  • Gemeindeumbenennungen (einfache Umbenennungen wie z.B. Eichloch, heute: Rommersheim und ausländische Orte mit zum Erhebungszeitpunkt deutschen Ortsnamen):

Der Bogen wird dem DiWA-Ortspunkt unter dem aktuellen Ortsnamen zugeordnet. Der frühere Ortsname wird bei Bedarf aus der Datenbank ermittelt.

3. Der Schulort ist in der Wenkerkarte nicht als Belegort ausgewiesen und ein entsprechender DiWA-Ortspunkt fehlt (z.B. bei Bogen aus Nacherhebungen):

Der DiWA-Ortspunkt wird in der Datenbank in Groß-/Kleinschreibung ergänzt und der Bogen mit diesem verknüpft.

Bei Abweichungen zwischen historischem und aktuellem Orsnamen wird der Bogen bei der Katalogsuche unter beiden Ortsnamen gefunden, wenn in den Feldern Schulort und Ortspunkt gesucht wird.

Hinweis: Der aktuell (Oktober 2007) online verfügbare Datenbestand ist temporär und noch nicht vollständig konsolidiert. Auch nach Abschluss aller Kontrollen können trotz sorgfältiger Prüfung vereinzelte Fehler in den Bild- oder Metadaten auftreten. In solchen Fällen bitten wir um einen entsprechenden Hinweis an webmaster@diwa.info.